ART 02 / 2005

Der Stil ist tot – es lebe die Idee!
von Ralf Schlüter

“Wir sind so eine Art modernes Bauernpaar”, sagt Julia Thesenfitz, 34, und lacht. Vielleicht die beste Art, die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft zu beschreiben, die die studierte Kommunikationsdesignerin vor drei Jahren mit dem Architekten Christian Wedekind, 32, einging. Im Hamburger Stadtteil Eppendorf betreibt das Paar “Roomservice”, einen Laden mit ungewöhnlichen Designobjekten. Und während sich vorne das statusbewusste Eppendorfer Publikum über schräge Schränke wundert, werkeln Thesenfitz und Wedekind im Hinterzimmer an eigenen Objekten. Ihre Entwurfshaltung ist, dass sie immer für einen guten Witz zu haben sind. Praktische Lösungen seien nicht so sehr ihre Sache, brauchbare Möbel gebe es schließlich genug. Wenn sie die Tapete in den Raum laufen lassen, um sie als Beistelltisch zu nutzen, wenn sie einen Teppich nach Vorbild des Putzfeudels nähen – dann entsteht ein Verfremdungseffekt, der aber nicht frösteln macht. Ihre Kommentare zum Alltag sind so ironisch wie charmant: Mal dekorieren sie eine ganze Bar mit Serviertabletts, dann entwerfen sie eine Lampe mit einem Streichholz, das ewig brennt. Eine bisher noch unrealisierte Idee verrät auch einen Hang zum Makabren: das Aquarium, in dem keine Fische herumschwimmen, sondern lauter Fischstäbchen.